Németh János Pincészet: „Von der Lage, spontan“

Németh János hält eine Rebschere vor das Auge – Schwarz-Weiß-Porträt vom Weingut Németh János Pincészet, Szekszárd

Die Németh János Pincészet zählt zu den Weingütern, die man in Szekszárd kennen sollte. Das Familienweingut, dessen Ursprung im idyllischen Iván-Tal liegt, verbindet eine über mehrere Generationen gewachsene Tradition mit dem Mut und der Energie eines jungen, dynamisch wachsenden Betriebs. Genau diese Mischung aus Verwurzelung und Aufbruch macht die Handschrift der Kellerei, im Folgenden „Pincészet“, aus – und ihr Motto bringt es auf den Punkt: „Dűlőből, spontán“, von der Lage, spontan.

Ein Familienbetrieb mit langer Geschichte

Die Wurzeln des Weinguts reichen bis zu den Urgroßeltern der Familie Németh zurück, die einst im Iván-Tal ein schilfgedecktes, aus Stampflehm errichtetes Presshaus bauten. An dessen Stelle steht heute das moderne Verkostungsgebäude, darunter der im Laufe der Zeit mehrfach erweiterte, hufeisenförmige Gewölbekeller. Direkt daneben wurde vor rund zehn Jahren ein klar gestalteter, funktionaler Verarbeitungsbetrieb aus Stahlbeton errichtet – ein bewusster Kontrast zwischen historischer Bausubstanz und zeitgemäßer Kellertechnik, der die Philosophie des Weinguts auf den Punkt bringt: Tradition bewahren, ohne stehen zu bleiben.

Auf mehr als 10 Hektar eigener und gepachteter Rebfläche entstehen, je nach Jahrgang, rund 40.000 bis 50.000 Flaschen Wein pro Jahr. Seit vier Jahren ergänzt zudem ein traditionell nach klassischer Flaschengärung hergestellter Sekt das Sortiment – ein weiterer Ausdruck des Anspruchs, das Potenzial des Terroirs in all seinen Facetten auszuschöpfen.

Die Lagen: Herzstück der Weinbereitung

Was die Weine von Németh János Pincészet so vielschichtig macht, ist vor allem die Lage der Rebflächen. Das Weingut bewirtschaftet Parzellen in einigen der besten Weinberge der Weinregion Szekszárd: im Iván-Tal, im Porkoláb-Tal, in Görögszó, im Gyűszű-Tal, am Decsi-Hegy sowie im Baranya-Tal; hinzu kommt eine gepachtete Fläche auf dem Gurovica-Rücken. Jede dieser Lagen bringt durch Bodenbeschaffenheit, Exposition und Mikroklima einen eigenen Charakter in die Trauben – und damit in den fertigen Wein.

Seit knapp zehn Jahren wird die gesamte Anbaufläche naturnah bewirtschaftet. Dahinter steht ein Selbstverständnis, das über reine Anbaumethodik hinausgeht: Der Winzer soll seine Parzellen so gut kennen, dass er weiß, wo genau die Sonne über welchem Hang aufgeht und wo sie untergeht. Nur wer diese Nähe zum eigenen Land lebt, kann – so die Überzeugung des Weinguts – Weine erzeugen, die tatsächlich von Hand und mit Verständnis für den jeweiligen Ort entstehen.

Németh János sitzt auf einem neuen Eichenfass (Barrique) im Hof des Weinguts Németh János Pincészet, Iván-völgy, Szekszárd
Németh János auf dem Weingut mit neuem Holzfass

„Von der Lage, spontan“ – das Motto als Programm

„Dűlőből, spontán“ – von der Lage, spontan.

— Motto von Németh János Pincészet

Das Motto der Pincészet, „Dűlőből, spontán“ – von der Lage, spontan –, ist mehr als ein griffiger Slogan: Es beschreibt die tatsächliche Arbeitsweise in der Kellerei. Die Trauben werden schonend verarbeitet und in offenen Bottichen spontan vergoren, also ohne Zugabe von Reinzuchthefen. Die zugrunde liegende Idee: Der Charakter jeder einzelnen Lage soll sich möglichst unverfälscht im Glas widerspiegeln, unterstützt von einer Reifung, die traditionelle und moderne Elemente verbindet. Für die Ausbau-Phase kommen ungarische Eichenfässer zum Einsatz; je nach Wein reifen die Partien zwischen 10 und 16 Monaten im Holzfass, bevor sie abgefüllt werden.

Diese Philosophie wird konsequent auf alle Rebsorten angewendet – unabhängig davon, ob es sich um die Lieblingssorte des Winzers, die autochthone Kadarka, um Kékfrankos (Blaufränkisch) und Olaszrizling handelt oder um internationale Sorten, die ebenfalls im Sortiment vertreten sind. Die Trauben stehen im Mittelpunkt, und der jeweilige Jahrgang gibt den Ton an: Statt eines starren Rezepts folgt das Weingut dem, was Wetter, Boden und Reife eines Jahres vorgeben.

Ausgezeichnete Qualität

Dass dieser Ansatz aufgeht, zeigen die zahlreichen Auszeichnungen, auf die das Weingut besonders stolz ist. Beim renommierten Wettbewerb „Az Országház Bora“ (Der Wein des Parlaments) belegte die Kadarka des Weinguts 2019 und 2020 jeweils den ersten Platz in ihrer Kategorie, 2021 gewann die Cuvée in der Kategorie Bikavér (Stierblut). Auch danach blieb der Erfolg konstant: Die Bikavér-Cuvée „Könnyűszél“ 2020 wurde beim Wettbewerb „Az Országház Bora 2024“ mit Silber in der Bikavér-Kategorie ausgezeichnet, der Zweigelt 2021 schaffte es 2024 auf Platz 65 der ungarischen TOP100-Weinliste des Magazins Figyelő, und die Syrah-Cuvée „Deviant Syrah“ holte beim Fachwettbewerb des VINCE Magazins mehrfach Gold. Ergänzt wird diese Erfolgsserie durch eine Platzierung unter den TOP3 beim Publikumspreis „Ungarns schönstes Weingut“ in der Kategorie Kleinbetrieb.

Weinflasche Könnyűszél vom Weingut Németh János Pincészet in Szekszárd – Cuvée aus Olaszrizling, Chardonnay und Furmint
Weißweincuvée aus Olaszrizling (Welschriesling), 15 % Chardonnay und 5 % barriquegereifter Furmint

Zu Besuch im Iván-Tal

Wer die Weine nicht nur trinken, sondern auch dort erleben möchte, wo sie entstehen, ist im Iván-Tal herzlich willkommen. Das Weingut empfängt Gäste nach vorheriger Anmeldung – telefonisch oder per E-Mail – zu Verkostungen unter der alten Walnuss, mit Blick auf die Weinberge, aus denen die Trauben stammen. Für Besucher, die Land und Wein gleich mehrfach genießen möchten, gibt es unter anderem ein Verkostungs-Picknick sowie ein wanderfreundliches Picknick-Paket im Tal.

Im Verkaufssortiment finden sich sowohl die charaktervollen Lagenweine als auch unkompliziertere Cuvées für den Alltag: von der Szekszárdi Kadarka und dem Bikavér über Chardonnay, Furmint und Olaszrizling bis hin zu einer leichten weißen Cuvée. Innerhalb von Szekszárd liefert das Weingut kostenfrei aus, darüber hinaus stehen verschiedene Versandoptionen per Paketautomat oder Hauszustellung zur Verfügung.

Ab unter den alten Walnussbaum

Am Ende zählt sowieso nur eines: probieren. Wer wissen will, wie sich Herkunft, Handarbeit und ein bisschen Sturheit im Glas anfühlen, sollte sich auf den Weg ins Iván-Tal machen, ein Glas Kadarka einschenken lassen und unter dem alten Walnussbaum sitzen bleiben, bis der zweite Wein kommt. Spontan vergoren, mehrfach prämiert, aber vor allem: gemacht, um getrunken zu werden.

 

Quelle: Informationen und Textmaterial von Németh János Pincészet zur Verfügung gestellt; ergänzt und redaktionell aufbereitet anhand der Website des Weinguts.

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