Kékfrankos, Blaufränkisch, Lemberger: eine Rebsorte, drei Namen

Rotwein wird in ein Weinglas gegossen, daneben die Frage: Kékfrankos, Blaufränkisch oder Lemberger?

Wer in Württemberg einen Lemberger im Glas hat, im Burgenland einen Blaufränkisch und in Ungarn einen Kékfrankos, trinkt botanisch dieselbe Rebsorte – und stilistisch drei sehr verschiedene Weine.

Genau darin liegt der Reiz. Kékfrankos ist keine internationale Uniform wie Merlot oder Cabernet Sauvignon. Die Sorte spiegelt ihre Herkunft.

Woher die Namen kommen

Blaufränkisch ist der österreichische und heute international gebräuchlichste Name. Die Geschichte von napoleonischen Soldaten, die ihren Lieblingswein mit Francs bezahlten, ist hübsch – plausibler ist die mittelalterliche Unterscheidung zwischen „fränkischen“ (edlen) und „heunischen“ (ertragreichen) Reben. Blaufränkisch wäre dann schlicht die blaue Qualitätssorte.

Lemberger verweist auf den Ort, über den die Sorte im 19. Jahrhundert nach Württemberg kam – ob Lemberg in der ehemaligen Untersteiermark oder Limberg in Niederösterreich, ist bis heute strittig.

Kékfrankos ist die wörtliche ungarische Entsprechung: „blauer Franke“.

Genetisch stammt die Sorte aus einer Kreuzung von Blauer Zimmettraube und Weißem Heunisch – und wurde später selbst zum Elternteil des Zweigelt.

Land Name Rebfläche Schwerpunkt Stilistik
Ungarn Kékfrankos ca. 8.000 ha Sopron, Eger, Szekszárd, Villány vielfältig, von straff bis würzig-rund
Österreich Blaufränkisch 2.500–3.000 ha Burgenland tanninbetont, mineralisch, lagerfähig
Deutschland Lemberger 1.700–1.800 ha Württemberg weicher, fruchtbetont, weniger Gerbstoff

Weltweit stehen rund 17.000 Hektar unter dieser Sorte – wenig gemessen an den großen internationalen Rebsorten, viel gemessen an ihrer Bedeutung für Mitteleuropa.

Warum dieselbe Sorte so verschieden schmeckt

Blaufränkisch treibt früh aus und reift spät: Er braucht eine lange, warme Vegetationsperiode und ist zugleich spätfrostgefährdet – eine ausgesprochen standortsensible Sorte. Dazu kommt die von Natur aus präsente Säure, die die Weine selbst in heißen Jahren selten breit wirken lässt.

Den Rest entscheidet der Boden: Schiefer und Kalk betonen Struktur und Mineralität, tiefgründiger Lehm gibt Kraft, Löss macht die Weine rund und zugänglich.

Reife blaue Kékfrankos-Trauben (Blaufränkisch, Lemberger) am Rebstock im Weinberg im Abendlicht
Kékfrankos-Trauben am Rebstock – in Österreich Blaufränkisch, in Württemberg Lemberger genannt.

Szekszárd: wo Kékfrankos samtig wird

Szekszárd im Süden Ungarns, rund 2.300 bis 2.600 Hektar, ist eine der ältesten Weinregionen des Landes. Drei Faktoren prägen den Stil: mächtiger Löss über pannonischem Sand, durchsetzt von rotem Ton, der Wasser speichert und für Rundheit sorgt. Die Donau im Osten, die Temperaturextreme dämpft. Und ein zerklüftetes Hügelland mit vielen Mikroklimata auf engem Raum.

Im Glas heißt das: Sauerkirsche, dunkle Beeren, deutliche Würze, lebendige Säure – aber weichere Gerbstoffe als bei einem Blaufränkisch vom Eisenberg. Kraft ohne Kanten. Gemeinsam mit der Kadarka bildet Kékfrankos hier das Rückgrat des Szekszárdi Bikavér.

Der Selbstversuch

Nicht lesen, sondern nebeneinanderstellen. Drei Flaschen, gleicher Jahrgang, ähnliche Preisklasse, keine dominante Holznote:

  • ein Lemberger aus Württemberg
  • ein Blaufränkisch aus dem Mittelburgenland
  • ein Kékfrankos aus Szekszárd

Was Sie schmecken, sind nicht drei Variationen einer Rebsorte. Es sind drei Landschaften.

Weiterführende Links auf kekfrankos.de

Alle drei großen Rotweine Szekszárds im Überblick

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