Wer die Weinregion Szekszárd abseits der großen Namen kennenlernen will, sollte sich das Weingut Fekete, im Folgenden Fekete Borpince, merken: ein Familienbetrieb mitten im Iván-Tal (Iván-völgy), einer der besten Lagen des Gebiets, dessen Geschichte, Arbeitsweise und Lage eng miteinander verwoben sind.
Eine Familie, ein Credo
Die Familie Fekete bewirtschaftet seit Anfang der 1960er-Jahre Reben. Was als private Weinherstellung für den eigenen Tisch begann, ist heute ein Betrieb von rund zehn Hektar, verteilt auf vier Lagen: Iván-völgy, Kerék-hegy, Decsi-hegy und Nagy-Mihály-völgy. Das Verhältnis von roten zu weißen Rebflächen liegt bei 95 zu 5 – eine klare Ansage. Verantwortlich für die Weine ist Fekete Mihály Endre, der die Arbeit seiner Eltern fortführt und daraus seinen Beruf gemacht hat. Sein Hitvallás, sein Credo, beschreibt er selbst so:
„Die Art des Weinbaus und der Weinbereitung wird bei mir von Respekt vor Tradition und Umwelt sowie von Verantwortung gegenüber denjenigen bestimmt, die meine Weine trinken.“
— Fekete Mihály
Sein Ziel: kontinuierlich gleichbleibend gute, für die Region Szekszárd typische Weine – fruchtig, samtig, feurig – auf natürliche, umweltschonende Weise herzustellen. Dass dieser Ansatz aufgeht, bestätigen aus Sicht des Weinguts sowohl die Rückmeldungen der Kundschaft als auch – wie bei vielen Betrieben der Region – regelmäßige Auszeichnungen bei nationalen und internationalen Wettbewerben, zuletzt etwa Großgold für die Jurátus Cuvée 2017 bei der Monde Selection Bruxelles und mehrfach Gold bei der Challenge International du Vin in Frankreich.
Im Weinberg: Vorbeugen statt Spritzen
Interessanter als jede Absichtserklärung ist, wie im Weinberg tatsächlich gearbeitet wird. Fekete setzt auf biologischen Pflanzenschutz und auf Vorbeugung: Bleibt der Stock in der Frühphase kräftig und gesund, sinkt später zur Blüte der Infektionsdruck von selbst. Unkraut wird nach Möglichkeit gehackt statt gespritzt, die reifen Trauben werden von Hand gelesen. Seit Jahren stehen im Weinberg mehrere Vogelfutterstellen beziehungsweise Vogelhäuschen – die überwinternden Vögel bleiben dadurch im Gebiet, locken natürliche Fressfeinde von Schadinsekten an, und das ökologische Gleichgewicht stellt sich von selbst wieder her. Insektizide sind seitdem schlicht überflüssig geworden. In den Wochen vor der Lese wird möglichst gar nicht mehr behandelt – auch aus einem praktischen Grund: Rückstände würden später die Gärung stören. Der Erhalt von Ökosystem und Artenvielfalt ist für den Betrieb dabei kein Nebenaspekt, sondern zentrales Bewirtschaftungsprinzip.
Im Keller: 270 Meter Löss und sechshundert Jahre Handwerk
Herzstück des Betriebs ist ein knapp 130 Jahre alter, im Original erhaltener Weinkeller von 270 Metern Länge – technisch modernisiert, aber in seiner Substanz bewahrt. Auf über 800 Quadratmetern verteilen sich heute Gär-, Lager- und Abfüllbereiche mit einer Gesamtlagerkapazität von 700 Hektolitern.
Gearbeitet wird darin mit Verfahren, die in Szekszárd eine mindestens sechshundertjährige Geschichte haben: offene Gärung im Bottich, händisches Zerkleinern beziehungsweise Stampfen der Trauben, längere Maischestandzeit und Ausbau im Holzfass – beim Kadarka bewusst in gebrauchter Eiche, um dem Wein nicht zu viel Holzton mitzugeben. Frische, fruchtbetonte Weiß- und Roséweine hingegen entstehen reduktiv im Stahltank und werden, mit Ausnahme von Chardonnay und Siller, meist noch vor Weihnachten abgefüllt. Für jeden Wein wird die passende Hefe schon vor der Lese ausgewählt, abgestimmt auf Stil und Jahrgang. Rotweine wie der Cabernet Sauvignon reifen anschließend in 225- oder 500-Liter-Fässern, wobei alte und neue Fässer bewusst kombiniert werden, um harmonische Verschnitte zu erzielen. „Aus mehreren guten Weinen einen noch besseren schaffen“ – dieser Gedanke zieht sich als Leitmotiv durch den gesamten Kellerprozess. Vor der Vermarktung reifen die Rotweine mindestens sechs Monate auf der Flasche. Ergänzt wird die traditionelle Machart durchgehend um moderne önologische Hilfsmittel, wo sie sinnvoll sind.
Die Weine
Das Sortiment umfasst 40 bis 50 Positionen – vom aktuellen Jahrgang über gereifte, gehaltvolle Rotweine bis zu zehn oder fünfzehn Jahre alten Raritäten. Für Kékfrankos-Interessierte ist einiges dabei: der sortenreine Kékfrankos, ein Kékfrankos Siller sowie ein Kékfrankos-Zweigelt-Rosé. Der Siller ist die typisch ungarische Zwischenstufe zwischen Rosé und Rotwein – kurz auf der Maische vergoren, hell in der Farbe, aber mit spürbarer Struktur. Daneben stehen Kadarka, Zweigelt, Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah sowie die hauseigenen Cuvées Patikárius, Letícia und Mókamester. Den Bikavér füllt Fekete nur in herausragenden Jahrgängen ab; die Basis bilden rund 50 Prozent Kékfrankos, Bordeaux-Sorten geben Struktur, der Kadarka kommt praktisch als Gewürz dazu.
Besuch
Wie in Szekszárd üblich, empfängt Fekete Borpince nur nach Voranmeldung. Die Verkostung ist dabei kein Schnelldurchgang, sondern füllt gerne einen halben Abend. Wer möchte, mietet einen der Weintresore im neueren Kellerteil, in die je nach Größe 200 bis 600 Flaschen passen. Essen und Übernachtung lassen sich auf Anfrage dazubuchen.
Was Fekete Borpince ausmacht, ist ein durchgängiges Selbstverständnis: ein Familienbetrieb, der Weinbau als Handwerk mit Verantwortung begreift – gegenüber der sechshundertjährigen Tradition der Region Szekszárd, gegenüber der Umwelt im Weinberg und gegenüber den Menschen, die am Ende das Glas in der Hand halten.
