Dániel Pince: Handarbeit als Philosophie

Gewölbter Backsteinkeller mit Holzfässern im Weingut Dániel Pince in Szekszárd

Im Porkoláb-Völgy (Porkoláb-Tal) liegt das Weingut Dániel Pince von Zsolt Dániel. Seine Geschichte beginnt allerdings nicht im Weinberg. Zsolt Dániel studierte Elektrotechnik in Budapest und führte viele Jahre das Elektroinstallationsunternehmen seiner Familie. Die Liebe zum Wein entwickelte sich zunächst neben seinem eigentlichen Beruf. An der Corvinus-Universität in Budapest vertiefte er sein Wissen über Weinbau und Kellerwirtschaft und gründete 2004 sein eigenes Weingut, zunächst im Nebenerwerb.

Doch irgendwann reichte es nicht mehr, den Wein nur nebenbei zu machen. Nach 13 Jahren traf Zsolt Dániel eine weitreichende Entscheidung: Er gab sein Unternehmen auf und widmete sich fortan ganz dem Wein. Seitdem folgt er konsequent seiner eigenen Vorstellung davon, wie Wein entstehen soll. Technik darf dabei helfen, die Arbeit zu unterstützen und präziser zu machen. Sie soll jedoch niemals das ersetzen, was für ihn den Kern des Weinbaus ausmacht: Zeit, Handarbeit, Erfahrung und die unmittelbare Verbindung zur Natur.

Herbstlich gefärbte Weinberge des Weinguts Dániel Pince im Porkoláb-Völgy bei Szekszárd
Herbstlandschaft im Porkoláb-Völgy bei Szekszárd

Ökologischer Anbau im Porkoláb-Völgy

Rund 11.500 Rebstöcke wachsen auf lössreichen, südwestlich ausgerichteten Böden. Angebaut werden die Sorten Kékfrankos (Blaufränkisch) und Zweigelt sowie Merlot, Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon. Bewirtschaftet werden die Weinberge ökologisch und nach der traditionellen Guyot-Methode. Auf synthetische Pflanzenschutzmittel wird ebenso verzichtet wie auf einen maschinellen Rückschnitt. Stattdessen kommen mineralische und pflanzliche Präparate zum Einsatz, während Zsolt Dániel die Triebe von Hand zurückbindet. So sollen mögliche Infektionswege bereits im Weinberg vermieden werden.

Diese Sorgfalt setzt sich auch im Keller fort. Die Weine vergären spontan und ohne den Einsatz von Reinzuchthefen. Anschließend reifen sie mindestens zwei Jahre lang in 500-Liter-Fässern aus ungarischer Eiche. Für den Transport der Maische hat Zsolt Dániel sogar ein eigenes System entwickelt, das vollständig ohne Pumpen auskommt. Auch bei den Verschlüssen bleibt er seiner Philosophie treu und verwendet ausschließlich echten Naturkorken.

Auf Filtration und Hitzebehandlung wird bewusst verzichtet. So entstehen Weine, bei denen möglichst wenig zwischen Weinberg und fertigem Wein steht und die ihre Herkunft und ihren Charakter unverfälscht bewahren sollen.

Verkostung bei Dániel Pince: eine Einladung

Ein Besuch bei Dániel Pince ist mehr als eine klassische Weinprobe. Es ist eine persönliche Begegnung mit dem Weingut, seinen Weinen und der Art und Weise, wie hier gearbeitet wird. Für Gruppen von einem bis maximal zwölf Gästen stellt Zsolt Dániel acht Weine individuell nach den Vorlieben der Besucher zusammen. Die Verkostung dauert etwa zwei bis zweieinhalb Stunden. Optional lässt sich eine Besichtigung des Weinkellers zubuchen.

Da jede Verkostung persönlich betreut wird, bittet das Weingut um eine Reservierung mindestens zwei Wochen im Voraus per E-Mail an danielpince@danielpince.hu. Die Anfrage soll dabei mit dem Zauberwort „in medias red“ beginnen. Außerdem bittet das Weingut darum, den vereinbarten Termin zuverlässig einzuhalten. Fragen zur Verpflegung und besondere Wünsche werden am liebsten direkt bei der Anfrage besprochen.

Ein schönes Detail zum Abschluss: Die für die Verkostung geöffneten Flaschen dürfen die Gäste anschließend mit nach Hause nehmen. So bleibt nicht nur die Erinnerung an den Besuch, sondern auch ein Stück Dániel Pince für später.

Weißes Presshaus mit blauen Fenstertüren und Blauregen auf dem Weingut Dániel Pince bei Szekszárd
Presshaus auf dem Weingut Dániel Pince

Kräuter, Öle und Destillate

Was viele Besucher vermutlich nicht erwarten: Zsolt Dániel stellt unter dem Namen MONGUIDE auch ätherische Öle und Hydrolate her. Gewonnen werden sie durch Dampfdestillation in eigens entwickelten Anlagen. Die dafür verwendeten Kräuter wachsen wie die Reben im Porkoláb-Völgy, werden ökologisch kultiviert und von Hand mit der Sichel geerntet. Rosmarin, verschiedene Lavendelsorten, Italienisches Strohblümchen, Muskatellersalbei und Ysop gehören dazu, ebenso wild gesammelte Schafgarbe.

Eine besondere Rolle spielt dabei die Rosmarinsorte „Harmat“, die Zsolt Dániel im eigenen Betrieb anbaut. Sie ist frostresistent, wurde 1999 staatlich anerkannt und ist das Ergebnis von 13 Jahren Züchtungsarbeit. Geschätzt wird sie unter anderem für ihren hohen Gehalt an Antioxidantien. Auch bei den Hydrolaten legt Zsolt Dániel Wert auf höchste Qualität. Verwendet werden ausschließlich die ersten fünf Liter der Destillation, in denen sich ein großer Teil der wasserlöslichen Inhaltsstoffe konzentriert.

Und auch nach dem letzten Glas Wein muss die Genussreise noch nicht zu Ende sein. Aus den eigenen Traubenresten entstehen bei Dániel Pince drei besondere Destillate: der gereifte Hefebrand „6rdSpirit VSOP“, der Traubentresterschnaps „Faex 2016“ und der gereifte „Vinacea VSOP“, ein ungarischer Törkölypálinka.

Törköly bezeichnet in Ungarn den Traubentrester, also die Schalen und Kerne, die nach dem Keltern zurückbleiben. Ein Törkölypálinka ist damit gewissermaßen das ungarische Gegenstück zum italienischen Grappa. Bei Dániel Pince wird daraus jedoch mehr als nur ein klassischer Tresterbrand. Die Destillate führen die Philosophie des Hauses konsequent weiter: möglichst viel von dem zu bewahren und zu veredeln, was Weinberg und Natur hervorbringen.

Mehr als nur Wein

Dániel Pince ist kein Weingut, das auf Masse setzt. Ökologischer Anbau, viel Handarbeit, eine eigene Kräuterlinie aus demselben Tal und hochwertige Destillate erzählen von einem ganz besonderen Verständnis für Natur und Genuss. Dahinter steht ein Mann, der seinen bisherigen Beruf aufgegeben hat, um seiner Leidenschaft zu folgen und daraus etwas ganz Eigenes zu schaffen.

Quelle: Inhalte von der Website und Bilder von Dániel Pince

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