Manchmal steckt die größte Geschichte in einem kleinen Weingut. Die Neiner Családi Pince (Familienweingut Neiner) in Szekszárd hat gerade einmal drei Hektar Reben. Trotzdem hat sie 2024 bei einer der wichtigsten Blaufränkisch-Verkostungen im deutschsprachigen Raum ganz oben gestanden, vor bekannten österreichischen Namen. Wie das kommt, erzählen wir hier: von einer Familie, einer alten Rebsorte und einem Hagelsturm.
Seit 1759: Drei Brüder, ein Familienerbe
Die Wurzeln der Familie Neiner liegen in Bayern, so erzählt es die Familienüberlieferung. Wie viele Donauschwaben kamen die Vorfahren im 18. Jahrhundert in die Gegend um Szekszárd, und seitdem bewirtschaftet die Familie hier ihr Land. Das älteste schriftliche Zeugnis ist eine Heiratsurkunde aus dem Jahr 1753. 1759 wurde mit Leonhardus Neiner bereits ein Neiner in Szekszárd geboren. Auf dieses Jahr geht die Jahreszahl im Logo des Weinguts zurück. Bis heute ist die Neiner Pince, wie sie in Szekszárd genannt wird, ein reiner Familienbetrieb.
Heute führen es die drei Brüder János, András und István gemeinsam. Eine Aufteilung in „der eine macht den Keller, der andere den Verkauf“ gibt es nicht. Die drei arbeiten zusammen im Weinberg, bauen die Weine selbst aus und empfangen ihre Gäste persönlich. Handwerklich, ehrlich und ohne großen Apparat: So beschreiben sich die Neiners selbst.

Kadarka, Löss und offene Gärbottiche
Die drei Hektar verteilen sich auf zwei Lagen, die unterschiedlicher kaum sein könnten.
Im Porkoláb-Völgy (Porkoláb-Tal) liegt eine kleine, nach Südwesten ausgerichtete Parzelle von gut einem halben Hektar auf rund 200 Metern Höhe. Sie hat ein ganz eigenes Mikroklima, fast schon mediterran. Bis 2022 stand hier eine Kadarka-Anlage aus dem Jahr 1961. Nach mehr als 60 Jahren wurde sie gerodet.
Die Lage Cinka (Cinka dűlő) liegt etwas tiefer auf etwa 175 Metern, ist nach Osten ausgerichtet und das Herz des Weinguts. Zu ihr gehört der Hang, der früher Őcsényi-Hegy (Őcsényer Berg) hieß. Den Namen trug er, weil er dem Dorf Őcsény unten in der Ebene gegenüberliegt. Heute ist der alte Name fast vergessen, offiziell heißt die Lage Cinka. Hier stehen das Presshaus, der Keller und die Terrasse „Horizont“, von der man weit über die Hügel schaut. Hier wächst auch der größte Schatz der Familie: Kadarka-Stöcke, die András’ Urgroßvater Anfang der 1920er-Jahre gepflanzt hat. Heute sind sie rund hundert Jahre alt. Aus ihnen entsteht der „100 éves Kadarka“, der hundertjährige Kadarka.
Der Boden ist typisch für Szekszárd: Löss mit kalkigen Einlagerungen. Er gibt den Weinen Frische und Struktur.
Im Keller arbeiten die Brüder so, wie es ihre Vorfahren getan haben. Gelesen wird von Hand. Die Weine vergären spontan, also ohne zugesetzte Reinzuchthefen, und das in offenen Gärbottichen. Moderne Technik kommt nur dort zum Einsatz, wo sie wirklich hilft, etwa bei der Temperaturkontrolle während der Gärung. Die meisten Weine reifen im Stahltank, Holz setzen die Neiners sparsam ein. Ein Teil der Weinberge wird bereits biologisch bewirtschaftet, darunter die alten Kadarka-Stöcke. Das ganze Weingut soll folgen.
Im Mittelpunkt stehen die traditionellen Sorten der Region: Kadarka, Kékfrankos und Bikavér. Dazu kommen Olaszrizling (Welschriesling) als „Picur“, Merlot, Cabernet Sauvignon und der „Punk“, ein reinsortiger Zweigelt.
Eine echte Szekszárder Spezialität ist der Lángsiller. Siller (ausgesprochen „Schiller“) liegt irgendwo zwischen Rosé und Rotwein, und die Neiners machen ihn nach einer alten Methode der Donauschwaben. Die entrappten Trauben ruhen etwa 48 Stunden als Maische in einem offenen Tank. Dann wird der Most abgezogen, die Maische gepresst, und der Wein vergärt ohne Schalen und ohne Reinzuchthefen weiter. Er beginnt also wie ein Rotwein und wird wie ein Rosé fertig ausgebaut. Weil die Schalen länger mitziehen als beim Rosé, wird die Farbe tiefer und der Wein bekommt etwas Gerbstoff. Traditionell wurde Siller in Szekszárd aus Kadarka gemacht, heute kommt vor allem Kékfrankos dazu. Heraus kommt ein leuchtender, fruchtiger und doch würziger Wein, am besten bei 12 bis 14 °C getrunken. Genau richtig für einen Sommerabend, aber keineswegs nur dafür. Mehr zur Herstellung erklären die Neiners selbst auf ihrer Website.

Ein Hagelsturm und ein Sieg in Österreich
Am 31. August 2018 zog ein schwerer Hagelsturm über die Weinberge. Die Rebzeilen verlaufen hier hangabwärts, und der Hagel traf jeweils die Südseite der Zeilen, die andere Seite blieb verschont. An den beschädigten Stöcken trockneten die Beeren ein und wurden fast zu Rosinen.
Viele Winzer hätten diese Trauben aussortiert. Die Neiner-Brüder machten etwas anderes: Sie lasen die eingetrockneten Beeren zusammen mit den gesunden und vergoren beides gemeinsam. So entstand der 2018 „Maenkue“ Kékfrankos, ein Wein, den es so nur einmal geben konnte. Der Name erinnert an das Unwetter: „Maenkue“ spielt auf das alte ungarische Wort ménkű bzw. mennykő an, das für Blitzschlag, Donnerkeil und Hagel steht.
Im November 2024 kam dann die Überraschung. Bei der großen Verkostung Blaufränkisch International des österreichischen Weinmagazins Vinaria belegte der Maenkue mit 18,0 Punkten den ersten Platz. Dahinter landeten Weine von Weingütern wie Gesellmann, Triebaumer, Nittnaus und Krutzler. Ein Weingut mit drei Hektar aus Szekszárd schlägt die großen Namen des Blaufränkisch. Für uns bei kekfrankos.de ist das der beste Beweis dafür, was in dieser Region und in dieser Rebsorte steckt.
Zu Besuch bei der Neiner Családi Pince
Wer nach Szekszárd kommt, sollte bei den Neiners vorbeischauen. Die Brüder bieten Verkostungen im kühlen Keller an und nehmen ihre Gäste auf Lagenwanderungen (dűlőtúra) mit durch die Weinberge. Auf der Horizont-Terrasse in der Cinka-Lage schmeckt der Kadarka dann gleich doppelt gut.
„Wein ist nicht nur ein Getränk, sondern Kultur, Gemeinschaft und Leidenschaft“, sagen die Neiners. Nach allem, was wir über dieses kleine Familienweingut erfahren haben, nehmen wir ihnen das sofort ab.
Kontakt: Neiner Családi Pince
Bethlen Gábor u. 79, H-7100 Szekszárd
Quelle: Text- und Bildmaterial freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Neiner Családi Pince. Ergänzt und redaktionell aufbereitet anhand der Website des Weinguts.
