„A jó történetek egy pohár borral kezdődnek“, auf Deutsch: Gute Geschichten beginnen mit einem Glas Wein. So lautet das Motto der Eszterbauer Borászat (Borászat, ungarisch für Weingut) in Szekszárd, und die Familie hat wirklich viel zu erzählen. Laut Archivunterlagen bewirtschaften ihre Vorfahren seit 1746 die Hänge von Szekszárd in Südungarn. Heute führt János Eszterbauer das Weingut in zehnter Generation.
Seit 1746 an den Hängen von Szekszárd
Über Generationen waren die Eszterbauers angesehene Weinbauern in Szekszárd. Im Sozialismus wurde die Familie enteignet und verlor ihre Weinberge. Den Neuanfang wagte János Eszterbauer in den 1980er Jahren. Sein Großvater gab ihm Geld, knüpfte daran aber eine Bedingung: Es durfte nur in Reben und ein Presshaus investiert werden. Aus einem 30 Quadratmeter kleinen Presshaus im Porkoláb-Völgy (Porkoláb-Tal) wurde ein Familienweingut mit rund 37 Hektar Reben. Sie stehen in bekannten Lagen wie Bodzás, Görögszó, Baranya-Völgy (Baranya-Tal) und Palánki-Hegy (Palánker Berg). Seit 2019 arbeitet das Weingut in einer neuen, modernen Kellerei.

Familiengeschichten auf dem Etikett
Was Eszterbauer auszeichnet, sieht man schon im Regal. Auf den Etiketten sind Familienfotos aus dem 20. Jahrhundert abgebildet, und zu jedem Foto gehört eine besondere Geschichte. Das Weingut beschreibt sie als „oft humorvoll, manchmal herzzerreißend“.
Ein schönes Beispiel ist der Kékfrankos „Telihold“ (Vollmond). Seine Geschichte handelt von János Eszterbauers Urgroßvater, einem Mann mit mächtigem Schnurrbart und festem Willen. Er hing so sehr an den Weinbergen, die er selbst gepflanzt hatte, dass er vor den Werbern der Genossenschaft in sein Sommerquartier flüchtete. Nur einmal pro Woche kam er im Morgengrauen nach Hause, um saubere Kleidung und Brot zu holen. In einer Vollmondnacht in seinem Versteck nahm er einen kräftigen Schluck aus der Korbflasche, wischte sich den Bart ab und sprach zum Mond: „Hej, du Mond! Du kannst mir nicht das Wasser reichen. Du bist nur einmal im Monat voll, ich dagegen jeden Tag.“
Beim „Nagyapám“ (Mein Großvater) Kadarka wird es leiser. Das Etikett zeigt János Eszterbauers Großvater, einst ein angesehener Weinbauer in Szekszárd. „Nie werde ich vergessen, wie ich als Kind neben ihm auf dem Kutschbock saß und wir mit dem Pferdewagen durch die Hohlwege von Weinberg zu Weinberg rumpelten“, erinnert sich János Eszterbauer.

Kékfrankos, Kadarka und Bikavér
Wie in Szekszárd üblich, prägen Rotweine das Sortiment. Im Mittelpunkt stehen die drei Sorten der Region: Kékfrankos (Blaufränkisch), Kadarka und Szekszárdi Bikavér. Dazu kommen internationale Sorten wie Merlot, Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon.
Der Telihold ist ein Kékfrankos aus einer einzelnen Lage, dem Baranya-Völgy. Die Trauben werden von Hand gelesen, danach reift der Wein zwölf Monate in gebrauchten ungarischen und französischen Fässern. Er duftet würzig und fruchtig. Am Gaumen zeigen sich Sauerkirsche, Brombeere und ein Hauch Röstschokolade, getragen von einer kräftigen Säure.
Die Kadarka nimmt die Familie besonders ernst. Mit Klonselektion und alten Rebstöcken arbeitet sie an der Sorte und bietet gleich vier Varianten an: „Sógor“ (Schwager), „Nagyapám“, „P.7“ und „114 éves“ (114 Jahre). Das Weingut beschreibt sein Ziel so: Wenn die Welt erkennt, wie sehr sich die Kadarka von den internationalen Sorten unterscheidet, hat diese alte Rebsorte vielleicht auch eine Zukunft. Dafür arbeitet die Familie. Beim Bikavér ist der „Báró Steiner“ das Aushängeschild, vom Decanter mit 96 Punkten bewertet.
Zu Besuch bei der Eszterbauer Borászat in der Bor utca
Der Weinladen des Weinguts liegt in der Bor utca (Weingasse) Nr. 8 in Szekszárd. Dort beraten Mitarbeiter mit viel Herzblut bei der Weinauswahl. Der Laden hat montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr geöffnet. Wer nicht hinfahren kann, bestellt über den Onlineshop. Eine Flasche Telihold passt übrigens gut zum nächsten Vollmond. Und vielleicht beginnt dann ja eine neue gute Geschichte.
Quelle: Text- und Bildmaterial freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Eszterbauer Borászat. Ergänzt und redaktionell aufbereitet anhand der Website des Weinguts. Weitere Quelle: Vince Magazin (vince.hu).
