Am Rand von Mecseknádasd, dort, wo das Dorf endet und der Wald fast unbemerkt beginnt, liegt ein Ort, an dem man morgens vom Vogelgesang geweckt wird und abends bei einem Glas Wein kaum noch weiß, was man als Erinnerung mit nach Hause nehmen möchte: die Stille, den Wein oder einfach dieses besondere Gefühl, für einen Moment ganz angekommen zu sein.
Sechs Generationen – eine Geschichte, die weitergeht
Die Verbindung der Familie Hetényi mit Weinberg und Wein reicht über sechs Generationen zurück. Geprägt wurde die heutige Kellerei vor allem von Hetényi János, der ursprünglich als Bauingenieur tätig war. Der Wein blieb lange Zeit eine Leidenschaft neben dem Beruf, bis er Anfang der 1990er-Jahre immer mehr zum Mittelpunkt seines Lebens wurde.
Heute führt János gemeinsam mit seiner Tochter Emese den Familienbetrieb weiter. Zwei Generationen, zwei Perspektiven – und dieselbe tiefe Verbundenheit mit dem Wein.
Für János sind vor allem Weinberg und Keller seine Welt. Emese hat im Laufe der Jahre vieles drumherum aufgebaut: Gastlichkeit, Unterkünfte, Programme und Erlebnisse. So wurde aus der Kellerei nach und nach ein Birtok, ein Gut – ein Ort, an dem der Wein nicht für sich allein steht, sondern Teil einer größeren Erfahrung wird: gemeinsam mit der Landschaft, dem Essen, den Menschen und der Zeit, die man miteinander verbringt.
In Szekszárd geboren, in Mecseknádasd zum Wein gereift
Das Hetényi Weingut befindet sich in einer besonderen Lage. Ein bedeutender Teil der Weinberge liegt im Weinbaugebiet Szekszárd, unter anderem in den Lagen Decs-Aranyhegy und Alsónána-Kürtöshegy.
Nach der Lese verlassen die Trauben jedoch die Hügel von Szekszárd und reisen nach Mecseknádasd. Dort werden sie verarbeitet, dort reifen die Weine und dort werden sie schließlich abgefüllt.
Diese Verbindung zweier Landschaften gehört seit Langem zur Identität des Weinguts. In den Weinen steckt die Wärme und Kraft Szekszárds und der Charakter seiner lössreichen Böden. Ihr Zuhause aber haben sie im etwas kühleren, von Wäldern umgebenen östlichen Mecsek-Gebirge.
Vielleicht ist es gerade diese Verbindung, die das Weingut so besonders macht – und gleichzeitig so schwer in eine einzige Kategorie einzuordnen.
Weine, die leise überzeugen
Im Keller entstehen Weiß-, Rosé- und Rotweine. Naturgemäß spielen jedoch die für Szekszárd so prägenden roten Rebsorten eine zentrale Rolle.
Kékfrankos, Kadarka, Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Syrah und Pinot Noir – unterschiedliche Sorten und Charaktere, aus denen die Familie Jahr für Jahr das herauszuarbeiten versucht, was Weinberg und Jahrgang tatsächlich mitbringen.
Zwei dieser Sorten, Kékfrankos und Kadarka, bilden zugleich das Rückgrat des berühmten Szekszárdi Bikavér – ein Beleg dafür, wie eng auch das Hetényi-Weingut mit dem önologischen Erbe der Region verbunden ist.
Modetrends muss man dabei nicht um jeden Preis folgen. Wichtiger ist, dass ein Hetényi-Wein wiedererkennbar, ehrlich und liebenswert bleibt. Ein Wein mit Charakter, der sich nicht selbst erklären muss.
Denn am Ende zählt vor allem eines: ob man gerne noch ein Glas nachschenkt.
Mehr als eine Kellerei
Im Laufe der Jahre wurde der Familie immer klarer: Gäste wollen nicht einfach nur Wein verkosten. Sie wollen bleiben. Sie wollen sich wohlfühlen und etwas erleben.
So entstanden neben der Kellerei eine Unterkunft, ein Restaurant, ein Veranstaltungsraum und die BorKápolna, die „Weinkapelle“. Dazu kam der Hetényi Kilátó, ein Aussichtspunkt, von dem sich das östliche Mecsek-Gebirge bei einem Glas Wein noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive erleben lässt.
Auch die Programme rund um das Weingut wurden immer vielfältiger: Wanderungen, Familienprogramme, Motorradtouren, Sternenbeobachtungen, Picknicks zum Sonnenuntergang oder Hirschbrunftbeobachtungen im herbstlichen Wald.
Und manchmal braucht es überhaupt kein Programm. Ein langes Gespräch auf der Terrasse oder ein Wochenende, an dem niemand irgendwohin muss, kann genauso viel wert sein.
Man möchte den Gästen nicht vorschreiben, wie man Wein „richtig“ genießt. Manche kommen wegen einer ausgiebigen Weinverkostung, andere in Wanderschuhen, wieder andere mit dem Motorrad für eine Nacht – und beim nächsten Mal mit der ganzen Familie.
Für alle ist Platz.
Der Wein als Verbindung
Man könnte bei Hetényi lange über Rebsorten, Fässer, Jahrgänge, Säure und Tannine sprechen – und natürlich tut man das dort auch gerne.
Doch nach sechs Generationen hat man vor allem eines gelernt: Der wahre Wert eines Weins liegt selten nur in dem, was sich in der Flasche befindet. Er liegt auch in dem, was rundherum geschieht.
An einem Tisch. Bei einem gemeinsamen Essen. In einer Begegnung. In einer Geschichte, an die man sich vielleicht noch Jahre später erinnert.
Es war dabei nicht unbedingt der Plan, immer mehr Angebote rund um die Kellerei zu schaffen. Vielmehr wollte die Familie ihre eigene Welt zeigen: den Wein, Mecseknádasd, den Wald, die Natur, gutes Essen und eine Form der Gastfreundschaft, bei der man nicht als Kunde, sondern als Gast ankommt.
„…több, mint pince!“ – mehr als eine Kellerei
Dieser Satz ist in den vergangenen Jahren zum Motto geworden.
Kellerei ist man, weil alles mit dem Weinberg und dem Wein begonnen hat. Birtok, Weingut, ist man geworden, weil mit der Zeit so viel mehr darum herum gewachsen ist.
Vor allem aber möchte man ein Ort bleiben, an dem man gerne ankommt – ein Ort, an dem man Wein verkosten, ausgiebig essen, durch den Wald streifen, Sterne beobachten, nach einer Motorradtour zur Ruhe kommen, mit Freunden feiern oder einfach mit einem Glas Wein in der Hand für einen Moment gar nichts tun kann.
Vielleicht ist genau das gemeint, wenn Hetényi sagt: …több, mint pince! – Mehr als eine Kellerei!
Besuch
Wer aus Mecseknádasd nicht nur eine Flasche Hetényi-Wein, sondern auch eine Geschichte mit nach Hause nimmt, hat nach dem Selbstverständnis des Weinguts genau das erlebt, worum es geht.
Quelle: Informationen und Textmaterial von Hetényi Pincészet zur Verfügung gestellt; ergänzt und redaktionell aufbereitet anhand der Website des Weinguts.
