Garai Pince: Immer in guter Gesellschaft

Garai Weingut, Familie Garai auf dem Weingut in Alsónyék

Am Nyéki-hegy bei Alsónyék, dem südlichen Ausläufer des Szekszárder Weingebiets, liegt die Garai Pince – ein Familienbetrieb, dessen Selbstverständnis sich in einem Satz zusammenfassen lässt: Wein ist hier kein bloßes Getränk, sondern Teil gemeinsamer Erlebnisse und Begegnungen. Wer die Familie besucht, kommt nicht einfach in einen Weinkeller, sondern wird als echter Gast empfangen – und hinter jeder Flasche stehen Familiengeschichten, die eigenen Parzellen und die Aromenwelt des Nyéki-hegy.

Luftaufnahme des Weinguts Garai Pince am Nyéki-hegy mit Presshaus und Rebflächen
Luftaufnahme Garai Weingut

Ein alter Traum, 2013 wahr geworden

Die eigentliche Betriebsgeschichte beginnt 2013, als für die Familie Garai ein lange gehegter Traum Wirklichkeit wurde: der Kauf eigener Rebflächen im Szekszárder Weingebiet. Vorausgegangen war eine lange Zeit als Hobby-Winzer – die Wurzeln reichen zurück nach Mecseknádasd, wo Zoltán Garai ab 2001 in einem eigenen Keller zugekaufte Szekszárder Trauben verarbeitete, nachdem er bereits 1997 seinen allerersten eigenen Wein abgefüllt hatte, noch im Keller seines Schwiegervaters. Über zehn Jahre blieb daraus ein Hobby, allerdings eines mit auffällig vielen Wettbewerbsmedaillen – und genau diese Erfolge gaben 2013 den Ausschlag für den Schritt in den eigenen Betrieb.

Von den anfänglichen anderthalb Hektar – teils alt bestockter Kékfrankos, teils frisch gepflanzter Cabernet Sauvignon – ist die Rebfläche der Familie inzwischen auf sieben Hektar gewachsen: rund um das Presshaus am Nyéki-hegy ebenso wie auf weiteren, ertragsbegrenzten und sorgfältig ausgewählten Lagen im Gebiet. Diese überschaubare Größe ist bewusst gewählt, denn sie erlaubt es, jeder Parzelle und jedem Jahrgang persönliche Aufmerksamkeit zu widmen.

Presshaus, Terrasse und Tornác

Herzstück des Betriebs ist ein traditioneller Sárköz-Bau aus den 1880er-Jahren, den die Familie 2014 über ein EU-Förderprogramm renovierte. 2018 kam ein neuer Kellerarm hinzu, 2021 im Dachgeschoss ein Verkostungsraum mit weitem Blick über die Hügel. Unter alten Walnussbäumen liegt eine Weinterrasse – und direkt daneben der Tornác, die überdachte Veranda, die für die Familie weit mehr ist als ein hübscher Ort für Fotos. Seit Gründung des Betriebs setzt man sich hier am Ende eines langen Arbeitstags mit einem Glas Wein zusammen, empfängt Freunde und Gäste, und nicht selten entstehen genau hier die besten Gespräche. Diesen Moment – das Innehalten, das Da-Sein, die Freude an gemeinsam verbrachter Zeit – wollen die nach dem Tornác benannten Weine der Familie festhalten.

Familiensache

Gelesen wird am Nyéki-hegy von Hand, vor der Entrappung wird noch einmal von Hand sortiert. Keller und Kapazität begrenzen die Erntemenge ohnehin, was die Familie eher als Vorzug denn als Einschränkung begreift: Jede Flasche geht von der Lese bis zum Verkauf mehrfach durch die Hände des Winzers. Inzwischen sind es zwei Paar Hände: Sohn Ákos hat Weinbau studiert, verantwortet mittlerweile eigene Füllungen – darunter einen sortenreinen Syrah-Rosé und einen flaschenvergorenen Sekt – und bringt eine jüngere, frischere Handschrift in den Betrieb ein. Ehefrau Anikó steht am Backofen und sorgt für die Ofengerichte bei Verkostungen; ihr Vater war Küfer, aus seinen Werkzeugen ist im Keller eine kleine Ausstellung geworden.

Weinverkostung auf dem Weingut Garai: Käseplatte mit Szekszárd-Weinglas
Weinverkostung auf dem Weingut Garai

Drei Weinfamilien, drei Welten

Pro Jahrgang entstehen bei Garai mehr als fünfzehn Weine – eine für einen Betrieb dieser Größe beachtliche Bandbreite, die die Familie in drei Linien ordnet, die jeweils für eine eigene Idee von Wein stehen.

Täuninger sind die charakterstärksten Spitzenweine des Hauses: elegante, überwiegend aus Bordeaux-Rebsorten gekelterte Tropfen mit langem Reifepotenzial, die ausschließlich in den besten Jahrgängen entstehen. Der Name trägt eine eigene Familiengeschichte in sich. Die schwäbischen Wurzeln der Familie reichen zurück nach Mecseknádasd, wo früher jede Familie zusätzlich einen Hausnamen führte, der über Generationen weitergegeben wurde und jeweils eine eigene Geschichte transportierte. Der Name Täuninger kam in die Familie, als einer von Zoltáns Ururgroßvätern eine Frau namens Täuninger heiratete – der Überlieferung nach im Dorf bewundert für Schönheit und Charakter. Als ein Name für die herausragendsten Weine des Kellers gesucht wurde, entschied sich die Familie für genau diese Geschichte: Täuninger ist heute der Wein der schönsten Jahrgänge und zugleich Hüter einer alten Familienerinnerung.

Tornácos stehen für Premiumqualität im Alltag – für gemeinsame Mahlzeiten und Treffen mit Freunden, gebaut vor allem auf den traditionellen Rebsorten und Weinstilen des Szekszárder Gebiets. Sie sind bewusst so angelegt, wie die Familie selbst am liebsten trinkt: ehrlich, fruchtig, gut trinkbar und leicht zugänglich – Weine, die man gern mit anderen teilt, weil die schönsten Momente oft die einfachsten sind.

Next Generation schließlich ist die Linie des jungen Winzers Ákos und bringt einen neuen Blick in den Betrieb: frischer, dynamischer und näher an der Art, wie eine neue Generation Wein für sich entdeckt. Aromatische ungarische Rebsorten, fruchtige Weine und lebendige Tropfen stehen hier im Mittelpunkt – für Momente, in denen Wein keinen besonderen Anlass braucht, sondern einfach zum Leben dazugehört. Der von Ákos gekelterte Syrah-Rosé und der flaschenvergorene Sekt passen genau in dieses Bild.

Bikavér als Aushängeschild

Auch wenn sich das Sortiment heute in diese drei Linien gliedert, bleibt der Szekszárdi Bikavér das bekannteste Aushängeschild des Hauses. Der Jahrgang 2021 zeigt gut, wie die Familie die traditionelle Verschnittsorte einsetzt: 45 Prozent Kékfrankos bilden das Rückgrat, je 15 Prozent Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon und Merlot geben Struktur, dazu je 5 Prozent Kadarka und selbst gepflanzter Syrah als Würze. Das Ergebnis ist saftig, weich im Tannin und mit dezentem Holzeinsatz – ein Bikavér zum Trinken, nicht zum Ehrfürchtigsein. Kadarka, Kékfrankos und Bikavér des Hauses dürfen die geschützte Szekszárder Flasche tragen; der 2015er Bikavér wurde 2017 zum Rotwein der Stadt Bátaszék gekürt. Daneben stehen ein sortenreiner Kékfrankos aus den alten Anlagen, ein Kékfrankos-Kadarka-Siller, die Cuvée Flamingó Rosé aus Kékfrankos und Cabernet Sauvignon, reine Cabernet-Füllungen, die Cuvées 3333 und Rufus sowie Weißweine von Chardonnay bis Grüner Veltliner.

Zu Besuch am Nyéki-hegy

Besuche sind nur nach Voranmeldung möglich, dafür ausführlich gestaltet: Verkostungen und Weindinner für bis zu 50 Gäste, persönlich geführt vom Winzer selbst, ergänzt um Ofengerichte und eine Weinbergstour mit Picknickkorb. Wer länger bleiben möchte, findet im kleinen Gästehaus Platz für sechs Personen.

Das Motto der Garai Pince lautet „Mindig jó társaság“ – Immer in guter Gesellschaft. Es meint zugleich den Wein, die Menschen und den Ort: Eine Flasche Garai ist als würdiger Begleiter für gemeinsam verbrachte Momente gedacht, und im Presshaus am Nyéki-hegy wird jeder Gast mit Offenheit und Herzlichkeit empfangen. Denn seinen wahren Wert, davon ist die Familie überzeugt, zeigt ein Wein erst dann, wenn man ihn mit anderen teilt.

Quelle: Text & Bilder von Garai Pince

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