Historische Einordnung
Das ungarische Wort Bikavér bedeutet Stierblut. Einer Sage nach reicht die Geschichte des Egri Bikavér bis ins 16. Jahrhundert zurück, in die Zeit der türkischen Belagerung der Burg von Eger. Den Überlieferungen zufolge stärkten sich die Verteidiger in den Schenken mit Wein und kämpften, vom Rotwein beflügelt, so leidenschaftlich, dass die Türken glaubten, die Ungarn tränken Stierblut – und deshalb seien sie nicht zu besiegen gewesen. Kurioserweise war die Region um Eger bis zur Zeit der türkischen Invasionen eine reine Weißweinregion.
Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts bezeichnete Bikavér kein konkretes Produkt, sondern allgemein tiefdunkle, kräftige Rotweine – ohne geografische Abgrenzung. In dieser Zeit schrieb der aus Szekszárd stammende Dichter Garay János über den szekszárder Wein: „Fülle das Glas, und du siehst das Wunder: die Farbe tief wie Stierblut.“
Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte Jenő Grőber die heute bekannte Cuvée, die aus mehreren Rebsorten komponiert wird.
Weinmarketing in der sozialistischen Planwirtschaft
Während der sozialistischen Ära der Planwirtschaft in Ungarn wurde der Weinwirtschaftssektor zentral gesteuert. In den 1970er Jahren wurde der Egri Bikavér von den staatlichen Ministerien als Exportmarke neben Tokaji hervorgehoben, um den Wein mengenmäßig und marktwirtschaftlich zu stärken. In der Praxis führte dies dazu, dass die Nutzung des Namens „Bikavér“ für Szekszárder Weine zeitweise erschwert wurde. Deshalb blieb der Name „Bikavér“ in der öffentlichen Wahrnehmung langfristig stärker mit Eger verbunden.
Egri Bikavér vs. Szekszárdi Bikavér
Beide Weine repräsentieren die ungarische Rotweintradition, doch jede Region interpretiert das „Stierblut“ auf ihre eigene Weise – geprägt von Klima, Boden und lokaler Winzerkultur. Eger liegt in Nordungarn mit etwas kühlerem Kontinentalklima, Szekszárd dagegen ist wärmer und hat eine längere Vegetationsphase. Die vulkanischen Böden in Eger verleihen dem Bikavér Struktur, Frische und Mineralität, während die Lössböden in Szekszárd meist rundere, weichere und zugänglichere Weine hervorbringen.
Beide Regionen haben klare Vorgaben, die erfüllt werden müssen, damit ein Wein als Bikavér bezeichnet werden darf. In beiden ist die Verwendung von Kékfrankos obligatorisch; zusätzlich kommen Kadarka, klassische Bordeaux-Sorten und einige regionaltypische Rebsorten zum Einsatz. So darf Szekszárdi Bikavér höchstens 40 % Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon und Merlot enthalten, während im Egri Bikavér Turán und Bíborkadarka zusammen maximal 10 % ausmachen dürfen. Deutliche Barriquenoten sind im Szekszárdi Bikavér hingegen unerwünscht.
Charakteristik und Geschmack
Der Egri Bikavér ist vergleichsweise tanninarm, profitiert von seiner nördlichen Lage, die für höhere Säure sorgt, und begeistert mit langanhaltenden Aromen sowie intensiven Frucht- und Gewürznoten – ein Wein, der sich hervorragend für eine längere Reifung eignet. Das Szekszárder Stierblut wirkt ausgewogen und zugänglich, vollmundig und würzig, mit einem komplexen Bukett, reichhaltigem Geschmack und eleganten Tanninen.
Weiterführende Links auf kekfrankos.de
